Voll im Stress, aber trotzdem achtsam essen – wie geht das?

Voll im Stress

© Bild von rawpixel auf Pixabay

In unserem Alltag sind wir durch Arbeit oder Lernen, durch Versorgung der Familie und Erledigungen aller Art ziemlich eingespannt. Passiert es dir dabei auch, dass du einfach vergisst, an achtsames Essen zu denken? Oft sind Pausen knapp, der Hunger ist da, und schon isst du unbewusst das, was gerade da ist?


Ich kenne das gut. Sobald ich bei der Arbeit komplexe Fragestellungen ausarbeiten musste, habe ich oft ohne nachzudenken zu Süßigkeiten gegriffen. Das muss aber gar nicht so sein.

Hier ein paar Tipps, um auch in stressigen Zeiten zum achtsamen Essen zurückzufinden:

Wenn Du weißt, Dir steht ein voller Tag bevor, dann nimm dir morgens vor dem Aufstehen eine Minute Zeit, um in Gedanken voller Dankbarkeit den neuen Tag zu begrüßen. Nimm dabei bewusst deinen Atem wahr. Und dann stell dir in Gedanken vor, was du heute erleben möchtest, wie du deine Mahlzeitenpausen gestalten könntest und wie du dich dabei fühlen möchtest.
Mach über den Tag verteilt ausreichend Pausen – bei eher eintöniger Arbeit am besten alle 45 Minuten für ein paar Minuten. Steh in den Pausen auf und bewege dich, geh z. B. in die Küche und mach Dir einen Tee oder hole dir ein Wasser, und nimm diese Pause ganz bewusst wahr. Das hilft oft schon, um einem aufkommenden Verlangen nach Snacks zwischendurch zuvorzukommen.
Vor den großen Mahlzeiten – also dem Frühstück, dem Mittagessen und dem Abendessen – nimm dir ganz bewusst einen Moment Zeit, um in dich hineinzuhören. Stell dir vielleicht sogar einen Alarm im Handy, um das nicht zu verpassen. Dann erspüre, wie groß dein Hungergefühl ist – und versuche beim Essen, die für dein Hungergefühl angemessene Menge zu essen. Iss nicht über das Sättigungsgefühl hinaus.

Nimm dir am Abend auch wieder eine Minute Zeit, um deinen Tag Revue passieren zu lassen. Unterstützend kannst du dir auch ein paar Notizen machen: Wie gut hat es geklappt, tagsüber achtsam zu essen? Wie hast Du dich dabei gefühlt?
Achtsam zu essen ist gerade in stressigen Zeiten nicht immer einfach. Und wenn es nicht funktioniert, dann ist das nicht schlimm – dann klappt es beim nächsten Versuch vielleicht besser. Kritisiere dich nicht dafür, sondern beobachte einfach nur, wie es ist. Und übe am nächsten Tag weiter. Je öfter du das ausprobierst, umso besser klappt es.

Warum ist das so schwer?

Etwa 95 % von dem, was wir tun, tun wir unbewusst – aufgrund von Gewohnheiten, bekannten emotionalen Reaktionen, festen Verhaltensweisen, eingeübten Reaktionen, Erinnerungen, Gefühlen, Routinegedanken, Einstellungen, Überzeugungen und Wahrnehmungen. Wir tun dies unbewusst, weil wir es schon so oft gemacht haben, dass unser Gehirn diese Abläufe nicht mehr durchdenken muss: Es haben sich bereits Schaltkreise im Gehirn gebildet, die diese Prozesse automatisch ablaufen lassen. Das ist sehr effizient, und unser Gehirn spart dadurch Energie. Auch haben wir uns an die bekannten Gefühle gewöhnt.
Tun wir dagegen etwas Neues, dann fühlt es sich ungewohnt an. Wir müssen es bewusst tun, nur dadurch werden neue Schaltkreise im Gehirn gebildet. Und wir müssen es immer wieder bewusst tun, um diese Schaltkreise zu stärken. Für den Körper wäre es einfach, zu den alten Verhaltensmustern zurückzukehren – die damit verbundenen alten Gedanken und Gefühle sind ihm vertraut.

Wenn wir aber immer wieder üben, bewusst auch in stressigen Zeiten achtsames Essen zu praktizieren, und wir uns dabei gut fühlen, dann stärken wir mit diesem Üben die neuen Schaltkreise immer mehr und es fällt uns immer leichter, achtsames Essen zu praktizieren. Bis dieser neue Schaltkreis automatisch abläuft, d. h., bis wir im Idealfall achtsames Essen verinnerlicht haben und es zu unserer Gewohnheit geworden ist.
Bewusstes Atmen unterstützt uns beim Üben. Das bewusste Wahrnehmen des Atems bringt uns ins Hier und Jetzt, in den einzigen Moment, in dem wir das Leben wirklich spüren – in diesem Moment haben Sorgen und Gedanken Pause. Das bewusste Atmen stabilisiert uns und bringt uns wieder in Verbindung mit unserem Körper.
Haben dir diese Informationen weitergeholfen?

Ich freue mich auf Feedback!

Autorin: Silke Gerrath, 10.04.2019
Quellen:
Hanh, T. N., Cheung, L.: achtsam essen achtsam leben. O.W. Barth Verlag, München, März
2016.
Dispenza, J.: Du bist das Placebo. KOHA-Verlag GmbH, Dorfen, 8. Auflage 2018

 

Kommentare (0)

Bisher wurden hier noch keine Kommentare veröffentlicht

Einen Kommentar verfassen

  1. Kommentar als Gast veröffentlichen.
Anhänge (0 / 3)
Deinen Standort teilen